In this article
Dark AI: Ein Blick in die Schattenwelt der künstlichen Intelligenz
Was ist Dark AI?
Dark AI bezeichnet den böswilligen Einsatz künstlicher Intelligenz, um Cyberangriffe zu entwickeln, Betrug zu begehen oder andere illegale Aktivitäten auszuführen. Und sie ist auf dem Vormarsch. Generative KI (GenAI) senkt die Einstiegshürden und macht es Cyberkriminellen leichter, Angriffe zu konzipieren und zu starten.
Gleichzeitig hat die rasche Einführung von Unternehmenstechnologien, einschließlich KI, die digitale Angriffsfläche von Unternehmen vergrößert und Schwachstellen geschaffen, die Angreifer ausnutzen können.
Bis 2025 werden die Kosten der Cyberkriminalität voraussichtlich jährlich 10,5 Billionen US-Dollar betragen – und ein wachsender Anteil davon wird auf Dark AI zurückzuführen sein.
Dark AI definieren
Dark AI ist keine bestimmte Technologie, sondern eine Reihe von Taktiken und Verhaltensweisen, die die Fähigkeiten von KI für schädliche Zwecke ausnutzen. Zu den wichtigsten Merkmalen gehören:
Anonymität: Angreifer agieren in verborgenen Online-Bereichen und nutzen häufig Verschlüsselung, Empfehlungen und Kryptowährungen, um nicht entdeckt zu werden.
Autonomie: Dark-AI-Systeme laufen oft automatisch und benötigen nur minimale menschliche Eingaben. So können Angreifer groß angelegte Attacken starten, die mehrere Opfer gleichzeitig ins Visier nehmen.
Anpassungsfähigkeit: Angreifer setzen kontinuierlich die neuesten KI-Innovationen ein und passen ihre Methoden an, um neue Erkennungssysteme zu umgehen.
Menschenähnliches Verhalten: Von Deepfakes bis hin zu überzeugendem Social Engineering: Dark AI ahmt echte menschliche Interaktionen nach, um Menschen zu täuschen und zu manipulieren.
Während herkömmliche KI darauf ausgelegt ist, Produktivität, Entscheidungsfindung oder Lebensqualität zu verbessern, dient Dark AI dazu, einzudringen, in die Irre zu führen und Schaden anzurichten. Sie nutzt Vertrauen aus und verschleiert Absichten – oft mit verheerenden Folgen.
Herausforderungen durch Dark AI und Cybersecurity-Bedrohungen
Der Aufstieg der KI hat es Angreifern erleichtert, ausgeklügelte Cyberangriffe schneller zu starten. Was früher umfassendes technisches Fachwissen erforderte, ist heute für deutlich mehr Angreifer zugänglich. Viele nutzen KI, um ihre Taktiken zu verfeinern und herkömmliche Abwehrmaßnahmen zu überlisten. Wenn Teams verstehen, wie Dark AI Risiken verschärft, können sie proaktiv und widerstandsfähig bleiben:
KI-gestützte Cyberangriffe: Sofort einsatzbereite Toolkits im Dark Web erleichtern Angreifern Phishing-, Malware- und Ransomware-Kampagnen. Dadurch sind Umfang und Ausmaß der Angriffe stark gestiegen.
Umgehungsfähigkeiten: Machine-Learning-Modelle helfen Cyberkriminellen, sich in Echtzeit an Sicherheitssysteme anzupassen, sodass Angriffe schwerer zu erkennen sind. Angriffsmuster können sich automatisch ändern, um bekannte Abwehrmaßnahmen zu umgehen.
Angriffsgeschwindigkeit: KI verkürzt den Angriffszyklus. Sicherheitsverletzungen erfolgen schneller, und Angreifer können sich durch Systeme bewegen, noch bevor Sicherheitsteams den Einbruch bemerken.
Ein aktueller Bericht von Microsoft offenbarte einen alarmierenden Anstieg: Die Zahl der vom Unternehmen beobachteten staatlich unterstützten und finanziell motivierten Angreifer ist von 300 auf 1.500 gestiegen. Gleichzeitig nahmen Passwortangriffe von 579 pro Sekunde im Jahr 2021 auf mehr als 7.000 pro Sekunde im Jahr 2024 zu. In vielen Fällen können Angreifer mit KI-Zugriff auf Unternehmenssysteme erlangen, gut eine Stunde nachdem ein schädlicher Link angeklickt wurde.
KI ermöglicht ausgeklügelte Angriffsstrategien
KI schafft nicht nur neue Bedrohungen, sondern macht auch bekannte Angriffsstrategien gefährlicher und schwerer erkennbar. Cyberkriminelle können KI einsetzen, um bewährte Taktiken zu optimieren und ihre Erfolgsquote bei einem breiteren Spektrum von Zielen zu erhöhen:
Malware-Erstellung: KI kann Angreifern dabei helfen, Malware zu entwickeln, die sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt, lernt, Sicherheitskontrollen zu umgehen, und herkömmliche Antivirus-Tools deutlich weniger wirksam macht.
Automatisiertes Phishing: Mit generativen KI-Tools können Angreifer überzeugende Phishing-E-Mails, Text- und Sprachnachrichten erstellen und Kampagnen anhand von Vorlagen individuell anpassen.
Optimierte Ransomware-Zustellung: Dark AI kann Ransomware-Angriffe personalisieren, Schritte automatisieren und Angriffe auf bestimmte Systeme optimieren.
Social Engineering: Indem KI das Online-Verhalten und die Kommunikationsmuster eines Opfers analysiert, hilft sie Angreifern, Social-Engineering-Taktiken authentischer wirken zu lassen. So fällt es Nutzerinnen und Nutzern schwerer, verdächtige Aktivitäten zu erkennen.
Dark-AI-Tools im Einsatz
Angreifer haben heute Zugang zu vorkonfigurierten Tools, mit denen sich ausgeklügelte Cyberangriffe leichter starten lassen. Einige wurden speziell für Cyberkriminalität entwickelt, andere sind Open-Source-Tools, die für böswillige Zwecke umfunktioniert wurden. Dazu gehören:
FraudGPT: Ein kostengünstiges, abonnementbasiertes GenAI-Tool, das die Erstellung von schädlichem Code, Malware und Phishing-E-Mails automatisiert und Angreifern dabei hilft, Schwachstellen und kompromittierte Websites aufzuspüren.
DarkBART und DarkBERT: DarkBART basiert auf Google Bard und kann gezielte Angriffe erstellen. DarkBERT gibt es in zwei Versionen: Eine basiert auf einem legitimen Cybercrime-Tool, während die andere das Dark Web als Trainingsdaten nutzt, um Schwachstellen auszunutzen.
Open-Source-Tools: Böswillige Akteure verwenden Nmap, Shodan, Metasploit, SQLMap und andere Open-Source-Tools, um Aufklärungsarbeit zu leisten, Schwachstellen auszunutzen sowie neue Malware- und Phishing-Kampagnen zu erstellen.
Reale Beispiele für Dark-AI-Angriffe
Unternehmen erleben bereits die konkreten Folgen von Dark AI – von gezielten Datenschutzverletzungen bis hin zu Finanzbetrug. Diese aktuellen Beispiele zeigen, wie Angreifer KI für ihre Zwecke einsetzen:
Deepfake-Betrug: In einem bemerkenswerten Fall nutzte ein Angreifer Deepfake-Technologie, um sich als Finanzvorstand eines Finanzdienstleisters auszugeben. Er brachte einen Mitarbeiter dazu, 25 Millionen US-Dollar auf betrügerische Konten zu überweisen.
Phishing-Angriff auf Activision: Ein SMS-Phishing-Angriff zielte auf einen Nutzer mit privilegiertem Zugriff bei Activision ab, um vertrauliche interne Informationen zu stehlen. Das Unternehmen bestritt zwar einen schwerwiegenden Sicherheitsvorfall, doch Sicherheitsexperten wiesen darauf hin, dass Social-Engineering-Angriffe durch KI immer schwerer zu erkennen und zu verhindern sind.
Spionage bei T-Mobile: Eine staatlich unterstützte Gruppe nutzte Schwachstellen aus, um in die Infrastruktur von T-Mobile einzudringen und auf Anrufprotokolle, unverschlüsselte Nachrichten sowie Audio-Kommunikation bestimmter Personen zuzugreifen.
Datenschutz in Gefahr
Dark AI bedroht die Grundlagen des Datenschutzes. Mithilfe ausgeklügelter Angriffe können Angreifer auf personenbezogene und sensible Daten zugreifen, etwa Kreditkartennummern, Gesundheitsdaten und private Kommunikation. Diese Daten werden anschließend für weitere Angriffe missbraucht, beispielsweise für Identitätsdiebstahl, Erpressung und Finanzbetrug.
Angreifer bemühen sich außerdem, unentdeckt zu bleiben. Dazu nutzen sie Taktiken wie gefälschte IP-Adressen, VPNs und Proxy-Netzwerke. Das kann die Durchsetzung selbst strengster Datenschutzrahmen wie DSGVO, HIPAA und PCI-DSS erschweren.
Solide, proaktive Datenschutzmaßnahmen wie Datenverschlüsselung, Zugriffskontrollen und Echtzeitüberwachung sind entscheidend, um die Folgen zu minimieren, falls Angreifer dennoch eindringen.
Soziale Medien und Kommunikationsplattformen im Visier
Soziale Medien und Kommunikationsplattformen dienen zunehmend als Einfallstore für KI-gestützte Betrugsversuche. Angreifer geben sich auf LinkedIn und Twitter als Führungskräfte aus, sammeln persönliche Informationen aus Facebook- und Instagram-Profilen und manipulieren mit Deepfakes und KI-Bots sogar den öffentlichen Diskurs.
Mit überzeugenderen Nachrichten und stärker personalisierten Daten hilft KI Angreifern, Betrugsversuche schwerer erkennbar zu machen. Dadurch werden der Schutz des Markenvertrauens und der Privatsphäre der Nutzerinnen und Nutzer noch wichtiger. Regelmäßige Mitarbeiterschulungen, stärkere Identitätsprüfungen und die intelligente Überwachung öffentlich zugänglicher Kanäle können Unternehmen helfen, die Risiken KI-gestützten Social Engineerings zu reduzieren.
Weiterreichende Folgen von Dark AI
Die Auswirkungen von Dark AI gehen weit über einzelne Unternehmen hinaus. KI-generierte Kommunikation ist immer schwerer zu erkennen, und Angriffe werden persönlicher und gezielter. Dadurch werden die weitreichenden Folgen für Vertrauen, Kommunikation und Entscheidungsfindung immer deutlicher. Unternehmen, die Dark AI bekämpfen, schützen nicht nur ihre eigenen Systeme, sondern tragen auch dazu bei, das Vertrauen in ganzen Branchen und Gemeinschaften zu bewahren. Zu den weiterreichenden Risiken von Dark AI gehören:
Vortäuschen der Identität von Autoritätspersonen: Angreifer können sich als Führungskräfte oder Kolleginnen und Kollegen ausgeben und so Verwirrung und Misstrauen in Unternehmen schüren.
Untergrabung der Wahrheit: Durch die Zunahme KI-generierter Medien wird es immer schwieriger, echte Inhalte von schädlichem Material zu unterscheiden.
Verlust des öffentlichen Vertrauens: Unternehmen können das Vertrauen von Kunden, Partnern und Öffentlichkeit verlieren, wenn sie in KI-gestützte Betrugsfälle oder Datenschutzverletzungen verwickelt werden.
So schützen Sie sich vor Dark AI
Um sich vor Dark AI und anderen neuen Cyberbedrohungen zu schützen, müssen proaktive und widerstandsfähige Sicherheitspraktiken in jeder Ebene Ihres Unternehmens verankert sein. Durch die Kombination intelligenter Technologien, kontinuierlicher Schulungen und einer soliden Sicherheitsgrundlage können Teams Risiken reduzieren, ohne Innovationen auszubremsen. Mit diesen Tipps bleiben Sie einen Schritt voraus:
Neue Bedrohungen im Blick behalten
Informieren Sie sich über neue KI-gestützte Angriffsmethoden, Tools und Taktiken. Threat-Intelligence-Feeds, Community-Updates und Branchenberichte helfen Ihren Teams, vorherzusehen, wie Angreifer neue Technologien einsetzen könnten.
Mitarbeitende schulen
Befähigen Sie Ihre Teams, KI-gestützte Phishing-Versuche, Deepfakes und Social Engineering zu erkennen und darauf zu reagieren. Regelmäßige Schulungen schaffen eine sicherheitsbewusste Unternehmenskultur und machen Mitarbeitende zu einer wirksamen ersten Verteidigungslinie.
Sicherheit mit KI verbessern
KI bringt zwar neue Gefahren mit sich, kann aber auch viel Positives bewirken. Nutzen Sie fortschrittliche Erkennungstools, die Anomalien und Zero-Day-Bedrohungen erkennen und Reaktionsmaßnahmen automatisieren. Sicherheitslösungen wie Snyk helfen Ihnen auch dabei, Sicherheit nach links zu verlagern, indem sie sie in Entwicklungs-Workflows integrieren. So werden Schwachstellen so früh wie möglich erkannt und behoben.
KI-Red-Teaming
Um diesen ausgeklügelten Bedrohungen entgegenzuwirken, können Sicherheitsteams die Perspektive ihrer Angreifer einnehmen. KI-Red-Teaming ist eine proaktive Sicherheitsmaßnahme, bei der ethische Hacker mithilfe von KI realistische Angriffe auf Systeme, Anwendungen und Daten eines Unternehmens simulieren. Dabei geht es über herkömmliches Red Teaming hinaus: KI-Tools automatisieren die Aufklärung, nutzen Schwachstellen aus und bewegen sich durch komplexe Netzwerke – ganz ähnlich wie moderne Angreifer.
Indem Unternehmen mit KI gezielt nach Schwachstellen suchen, können sie diese erkennen und beheben, bevor böswillige Akteure sie ausnutzen. Die Erkenntnisse aus diesen Simulationen sind entscheidend, um widerstandsfähigere Abwehrmaßnahmen aufzubauen und eine „Secure-by-Design“-Haltung sicherzustellen. Das ist ein wichtiger Schritt, um sich auf eine Zukunft vorzubereiten, in der KI-gestützte Angriffe zum Alltag gehören.
Wie Snyk Ihnen helfen kann
Da Angreifer mit Dark AI immer schneller agieren, müssen Unternehmen mit proaktiven, entwicklerorientierten Sicherheitspraktiken Schritt halten. Hier kommt Snyk ins Spiel. Snyk hilft Teams, Sicherheit frühzeitig in den Entwicklungslebenszyklus zu integrieren, und erleichtert so das Erkennen von Schwachstellen – unabhängig davon, wie sie entstanden sind.
Mit Snyk Code, unterstützt von DeepCode AI, können Entwickler Schwachstellen automatisch finden, beheben und priorisieren – um ein Vielfaches schneller als bei manuellen Überprüfungen. Snyk wurde für moderne Entwicklungs-Workflows entwickelt und ermöglicht Teams, schnell zu arbeiten, ohne Abstriche bei der Sicherheit zu machen.
Mit dem Aufstieg von Dark AI sind Angreifer nicht nur schneller, sondern auch intelligenter. Möchten Sie erfahren, wie KI-Red-Teaming Ihnen helfen kann, dem nächsten Angriff zuvorzukommen? Erfahren Sie mehr darüber, wie Sie Ihre LLM-Agenten einem Red Teaming unterziehen.
Entdecken Sie Snyk Labs
Ihre Anlaufstelle für aktuelle Forschung und Experimente rund um KI-Sicherheit.