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Copyleft: Der Aufstieg von Open-Source-Softwarelizenzen
Die Sichtweise von Entwicklern auf Software entstand erst 1958. In einem Artikel im American Mathematical Monthly war John Tukey der Erste, der Routinen, Compiler und automatische Programmierung als Software bezeichnete. Er wollte veranschaulichen, dass die Hardware aus Röhren, Transistoren, Kabeln und Bändern ebenso sehr auf die „unsichtbaren“ Elemente wie den Code angewiesen war, mit dem das System betrieben wurde.
Einige Jahre später hatten die meisten großen Unternehmen der Welt diesen Wandel nachvollzogen und begannen, Software urheberrechtlich schützen zu lassen, um sie vor kostenloser Verbreitung oder Veränderung zu bewahren. Das US-amerikanische Copyright Office erhielt am 30. November 1961 von North American Aviation erstmals eine Software zur urheberrechtlichen Registrierung.
Dieser Trend setzte sich fort, bis eines Tages ein neuer Drucker am MIT eintraf, dessen Quellcode plötzlich proprietär war. Das veranlasste Richard Stallman, sich für offenen Quellcode einzusetzen. 1985 veröffentlichte er schließlich sein GNU-Manifest.
Der Begriff Copyleft tauchte erstmals 1976 im Programm Tiny BASIC auf, das von Dr. Li-Chen Wang geschrieben wurde. Das Programm gilt weithin als erste Freeware. Sein Vertrieb beinhaltete Copyleft und den Hinweis „all wrongs reserved“ im Lizenztext – eine offensichtliche Ablehnung des Copyrights. Stallman nahm dies zur Kenntnis und nutzte die Idee des Copyleft, um 1988 die erste GNU General Public License (GPL) zu formulieren.
Was ist Copyleft?
Copyleft ist eine Methode, geistiges Eigentum ohne Einschränkungen wiederverwendbar und veränderbar zu machen. Dabei muss alles, was unter Verwendung des ursprünglichen Werks neu entsteht, ebenfalls frei verfügbar sein. Das kann für alles gelten – von Kunstwerken bis hin zu Software.
Die Bewegung setzte sich fort und führte zur Entstehung der großen Open-Source-Bibliotheken und -Repositories von heute. 2016 nahm Unicode einen Vorschlag an, das Copyleft-Symbol aufzunehmen, das jetzt in Unicode 11.0 und höheren Versionen verfügbar ist.
Copyleft und Copyright im Vergleich
Viele fragen sich, was Copyleft ist und wie es sich vom Copyright unterscheidet. Was zunächst widersprüchlich erscheinen mag: Copyleft nutzt das Copyright, um sicherzustellen, dass die Software frei bleibt. Das Urheberrecht räumt dem Rechteinhaber die Befugnis ein, die Vervielfältigung, Veränderung und Nutzung des urheberrechtlich geschützten Materials zu kontrollieren.
Copyleft nutzt dieses Gesetz, um die freie Nutzung (einschließlich aller weiteren Rechte) durchzusetzen und nachfolgenden Nutzern das Recht einzuräumen, die Software nach Belieben zu verändern, zu verbreiten und zu verwenden. Während Copyright die Freiheit einschränkt, sichert Copyleft sie für alle nachfolgenden Werke, die auf dem ursprünglichen Werk beruhen.
Copyleft vs. Copyright in Open Source
Copyleft ist das Gegenteil von Copyright und wird häufig in der Open-Source-Entwicklung verwendet. Eine Copyleft-Lizenz ermöglicht es Urhebern, Mitwirkenden und Maintainer:innen, Änderungen an Open-Source-Projekten vorzunehmen und sie mit der Community zu teilen.
Copyleft-Lizenzen erlauben zwar, Änderungen an Open-Source-Code zu verkaufen, schränken die Nutzung des Codes durch den Empfänger jedoch nicht ein und verpflichten Entwickler, den Empfängern den gesamten Quellcode zur Verfügung zu stellen. Copyleft räumt allen nachfolgenden Nutzern ausdrücklich dieselben Rechte ein. Wenn das Team die Software veröffentlicht, ist es daher gemäß der Lizenz unzulässig, die Quellcode-Bibliotheken vertraulich zu halten.

Was ist eine Copyleft-Lizenz?
Copyleft-Lizenzen erlauben es jeder Person, Software zu ändern und weiterzuverbreiten, sofern dieselben Rechte auch für abgeleitete Werke gelten.
Was sind die beliebtesten Copyleft-Lizenzen?
Die beliebteste Copyleft-Lizenz ist nach wie vor die GPL, die Stallman 1988 veröffentlichte. Seitdem wurde die GPL weiterentwickelt; die neueste Version ist die GPLv3. Um frühere rechtliche Herausforderungen zu klären, veröffentlichte die Free Software Foundation (FSF) außerdem Ergänzungen zur GPL, darunter die Lesser General Public License (LGPL) und die Affero General Public License (AGPL).
Weitere Copyleft-Lizenzen sind:
Mozilla Public License – Die Mozilla Public License (MPL) liegt derzeit in Version 2 vor. Sie verpflichtet Entwickler, den Quellcode bei der Veröffentlichung bereitzustellen, stellt jedoch keine entsprechenden Anforderungen an andere proprietäre Komponenten.
Eclipse Public License – Die von der Eclipse Foundation veröffentlichte EPL-1.0-Lizenz ähnelt der GPL, erlaubt es Nutzern jedoch, proprietären Code einzubinden, ohne den Quellcode zu veröffentlichen.
Open Software License – Eine leicht verständliche Lizenz für verschiedenste Projekte. Wie bei der AGPL müssen Nutzer der Open Software License 3.0 ihren Quellcode offenlegen, wenn sie die Software verbreiten.
Microsoft Reciprocal License – Diese Lizenz erlaubt die Unterlizenzierung von Produkten nur mit anderen Lizenzen, die der Microsoft Reciprocal License (Ms-RL) entsprechen. Dateien, die eigene Arbeit der Nutzer enthalten, können geschlossen bleiben; alle anderen Dateien müssen jedoch offen und für andere Nutzer verfügbar sein.
Eine umfassendere Liste von Copyleft-Lizenzen finden Sie hier. Oder erfahren Sie mehr über den Vergleich von Open-Source-Lizenzen.
Ist Copyleft geistiges Eigentum?
Obwohl Copyleft das Recht einräumt, die Werke anderer zu verändern oder zu verbreiten, sehen viele Analysten darin eine Rückkehr zu einer der frühesten Formen geistigen Eigentums. Das Ziel, das Recht der Nutzer zu verankern, Ideen zu teilen und darauf aufzubauen, entspricht dem philosophischen Konzept des gemeinsamen Erbes (also auf den Schultern von Riesen zu stehen). Dieser Ansatz schlägt eine Brücke und fördert Fortschritt auf der Grundlage des gesellschaftlichen Wissens. u003cbru003e
Was bedeutet Copyleft bei Open-Source-Software?
Permissive Lizenzen erlauben es, gemeinschaftliche Projekte bei Bedarf proprietär zu machen – Copyleft verbietet dies ausdrücklich. Copyleft soll die Freiheit der Nutzer in allen Phasen des Lebenszyklus einer Codebasis gewährleisten.
Im Kontext der GPL bedeutet das, dass jedes Produkt, das auf der Arbeit eines vorherigen Nutzers aufbaut, auch künftig anderen Nutzern zugänglich bleibt. Obwohl verschiedene GPL-Versionen mit anderen proprietären Lizenzen vereinbar sein können, verpflichtet die GPLv3 Teams dazu, jeden Aspekt ihres Codes öffentlich zugänglich zu machen.
Dieser Ansatz in der Softwareentwicklung schränkt kommerzielle Interessen nicht zwangsläufig ein. Wenn ein Produkt einen Bedarf der Öffentlichkeit erfüllt, besteht ein Anreiz, es zu pflegen – genau dieses Geschäftsmodell fördert das Copyleft-Prinzip.
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